Die Tradition bewahren

Seit zehn Jahren lehrt Klaus Jeske ehrenamtlich tradionelles Wing Chun Kung Fu

Wang_Kiu_und_Klaus_Jeske_beim_Chi_Sao

Trainiert wird von jung bis alt in der neuen Sporthalle der Montessori Grundschule in der Kaiserstraße 59. „Seit fast 30 Jahren betreibe ich Wing Chun. Mein verstorbener Vaterlehrer ist Wang Kiu. Dieser war in Hong Kong einer der ersten fünf Meisterschüler des unter anderem durch zahlreiche Verfilmungen bekannt gewordenen Großmeisters Ip Man. Ip Man unterrichtete neben Wang Kiu später auch unter anderem Bruce Lee, der in der ersten Zeit seines Wing Chun-Trainings durch seinen älteren Kung Fu Bruder Wang Kiu im Training wesentlich unterstützt wurde“, erklärt Wing Chun-Trainer Jeske.

Klaus Jeske ist zertifizierter Instruktor der Wing Chun-Dachorganisation in Hong Kong. „Kung Fu ist sehr individuell und wird in den meisten Schulen Hong Kongs, wie auch bei uns, nur in kleinen Klassen unterrichtet“, so Jeske. Nur so könne neben dem praktischen auch möglichst viel theoretisches Wissen, wie chinesische Begriffe und deren Bedeutungen, sowie Geschichte vermittelt werden, um die Tradition des Wing Chun zu bewahren. „Wing Chun ist ein in sich geschlossenes System, das logisch und zudem einfach zu erlernen ist. Es diene neben dem Aspekt des sportlichen Kämpfens insbesondere auch dazu, menschlich zu reifen, Selbstbewusstsein aufzubauen und das disziplinierte Trainieren auch als roten Faden für sein Alltagsleben zu erarbeiten. „Die Bewahrung der Tradition bedingt Qualität, die durch Wissen, Erfahrung, Fleiß und Lernen erreicht wird“, betont Jeske. Das System des Wing Chun besteht seit Jahrhunderten. Es zu verändern, käme einem Bruch der Tradition gleich. Nur, wer die Ideen hinter den drei Handformen wirklich versteht, bekommt einen tiefen Einblick in das System. „So deuten zwei sich ausbreitende Arme auf den Flügelschlag eines Vogels hin, der versucht, eine nahende Katze von seinem Nest zu vertreiben“, beschreibt er die Metapher der Bewegung des kantonesischen Begriffs „Faak“ als Form. Neben dem ehrenamtlichen Engagement führt der Verein mit seinen Ausbildern Schulungsreisen nach China durch, um den Blick auf Tradition und Lehre zu erweitern.

(Dieser Artikel erschien Heiligabend 2014 beim Zeitungsverlag Aachen)

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